Mindelo, pulsierende Hafenstadt, dichtes Gedränge in der weitläufigen Ankerbucht, die noch dazu mit unzähligen Wracks gespickt ist, Boote dicht an dicht in der Marina an wackeligen Fingerstegen, überall Musik, die sich des nächtens auch als Ruhestörung manifestieren kann,… Man soll nicht alles glauben, was im Internet steht.
Mindelo empfängt uns verschlafen. Wir sind das einzige Transitboot in der riesigen Ankerbucht, die lediglich von einem Wrack bewohnt wird, und das wird während unseres Aufenthaltes entfernt, zumindest zu 50%. Die Marina ist fast gänzlich leer. Einige schwimmende Schiffsleichen, die von den Besitzern verlassen wurden hängen traurig an den Stegen. Es ist saure Gurken Zeit, off-season, nix los. Der Rummel fängt erst im Herbst an, wenn die ersten Atlantiküberquerer ankommen. Im November fällt dann noch die ARC wie eine Heuschreckeplage über die Stadt. Aber jetzt ist wie gesagt tote Hose und das ist gut so.
Der offizielle Slogan von Cabo Verde ist No Stress und der wird auch gelebt. Das Leben hier ist wirklich entschleunigt, Hektik ist unbekannt und alles ist easy! Der Police Officer bei der Immigration empfängt uns mit Handschlag, einem breiten Grinsen und einem herzlichen „Welcome to Cabo Verde“, da könnte sich so mancher Polizist in Ö was abschauen. Nach ein paar Minuten ist alles erledigt, komplett problemlos. Das Spiel wiederholt sich beim Einklarieren des Bootes und beim Verlängern unserer Visa. Die Behörden hier sind freundlich und hilfsbereit.
Noch entspannter als die Menschen sind hier die zahlreichen Hunde, die wohl genährt den ganzen Tag irgendwo regungslos schlummern, am besten mitten am Weg. Da sind die Köter aus Asterix auf Korsika echte Bewegungsmaschinen dagegen. Und sie lassen sich auch (fast) alles gefallen, ich habe angefangen sie mit Steinmustern zu verzieren, rühren kein Ohrwaschl dabei.
Mindelo ist sicherlich keine Stadt, die Du gesehen haben musst. Aber es ist ein guter Ort zum Ankommen und Relaxen, um kleinere Reparaturen durchzuführen und neu zu Verproviantieren. Am Morgen schlendern wir gerne zur nahen Fischmarkthalle, die von frisch gefangenem Fisch nur so überquillt. Gleich daneben ist der African Market, ein großzügig angelegter Platz wo neben allerlei Waren, Obst und Gemüse angeboten werden. Und in den Straßen rundherum sitzen die Marktfrauen und preisen das an, was in ihren Gärten halt so wächst und Fisch. Lässt sich der Fisch nicht frisch verkaufen wird er eingesalzen, getrocknet und dann wieder in das Sortiment eingeordnet. Dann gibt es noch an jeder Ecke ein Cafe oder eine Bar bzw. kleine Lokale die günstig warme Speisen anbieten. Besonders beliebt ist neben Fisch auch Hendl und natürlich die Nationalspeise Cachupa, ein Eintopf aus Kichererbsen, Kukuruz, Bohnen und so ziemlich allem was sich sonst noch finden lässt.
Einige Bauten aus der Kolonialzeit und billige China-Shops runden das Stadtbild ab. Interessant: Plakate werden hier nicht geklebt sondern noch gemalt.
Etwas außerhalb, hinter dem Hafengelände, ist dann noch der weitläufige Sandstrand mit türkis-blauen Wasser, wo ganz Mindelo im Wasser planscht.
Wir haben Mindelo schätzen gelernt. Die Stadt ist zwar nicht besonders attraktiv, aber sie hat Charme, ist authentisch, die Menschen sind durchwegs freundlich und lachen gerne (Ausnahmen bestätigen die Regel, unsere gestrige Bedienung in der Floating Bar hätte auch sehr gut in eine wiener U6-Garnitur gepasst).
Natürlich wollten wir auch die Insel Sao Vicente rund um Mindelo kennen lernen. Wir sind zur Erkenntnis gelangt, dass man hier nicht unbedingt Urlaub machen muss. Die Landschaft ist wüstenartig, es gibt einige Ortschaften und sonst fast nix. Im Reiseführer wird eine Strandwanderung empfohlen, war eh ganz nett. Bis auf die Millionen Plastikflaschen und Blechdosen am Strand.
In San Pedro kannst Du mit Schildkröten schwimmen, das müssen wir natürlich sehen. Mit Fischerbooten werden die Touristen vielleicht 200m vom Strand ins Wasser geführt, wo schon die angefütterten Schildkröten darauf warten bewundert zu werden. Das ist zwar ein bissl wie im Zoo aber ich muss zugeben, dass es schon sehr bezaubernd ist, mit den Schildkröten auf Tuchfühlung zu gehen und sie aus unmittelbarer Nähe bewundern zu können. Eine ganz kecke hat sich übrigens an mich von hinten angeschlichen und in den Finger gezwickt!
Das letzte Mal waren wir vor 12 Jahren Tauchen, höchste Zeit für eine Scuba Skills Refresher, den wir bei der örtlichen Tauchschule Dive Tribe buchen. Die Tauchgänge sind atemberaubend. Noch nie habe so große Fischschwärme unterschiedlichster Arten gesehen, große Kofferfische, Hornhechte, Muränen, Schildkröten,…. Ich bin von der Fülle der Eindrücke überwältigt. Tauchen in Mindelo bringt’s. (leider keine Fotos, die Kamera blieb zu Hause).
