Furchteinflößendes Gepiepse kommt aus dem Handy. Es ist Sonntag, 05:30, draußen noch stockdunkel und der Wecker läutet. „Was kann das bloß für ein Tag werden, der bereits mit Aufstehen anfängt“ schießt es mir durch den Kopf. Also genau genommen schießt es weniger, es tröpfelt eher, mehr ist um diese Uhrzeit auch nicht zu erwarten.

Grund für unseren frühen sonntäglichen Aufbruch ist nicht der Besuch einer kapverdianischen Morgenmesse. Heute machen wir nämlich einen Ausflug nach Sao Antao. Der Reiseführer sagt, dass es dort sehr schön grün ist und man prächtig wandern kann, herrliche Landschaften und ein atemberaubender Weitblick inbegriffen. Das können wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Sichere Ankerplätze sind auf Sao Antao ca. so selten wie in Wien ein U6-Waggon mit wohlduftender Frischluft. Also nehmen wir die Schnellfähre und die geht um 07:00. Wir müssen vorher noch mit dem Dinghi an Land, zum Fährterminal gehen und Tickets kaufen. Das mit dem „No Stress“ wird wohl heute nix bei uns.

Überraschend erwischen wir trotz kurzzeitiger frühmorgendlicher Ehekrise die Fähre. Von Sao Antao, das nur wenige Meilen entfernt liegt sehen wir allerdings noch nichts, dichter Dunst liegt über allem. Macht aber nichts, denn der Wetterbericht verspricht Sonnenschein ab 11:00, fast wolkenlosen Himmel und keinen Regen. Das ist auch gut so, weil wir haben heute was größeres vor: Mit dem Alguer (Sammeltaxi) wollen wir uns auf der alten Inselstraße hoch hinauf auf den Kraterand eines alten Vulkans bringen lassen, dann geht es 1200 Höhenmeter bergab durch das berühmte Paula-Tal, das aufgrund des feuchten Klimas durch die abregnenden Passatwolken saftig grün und wunderschön sein soll, durchzogen von saftigen Zuckerrohr- und anderen Feldern.

Angekommen in Porto Nuovo stellen wir erstmal fest, dass Sonntag und alles geschlossen ist. Sammeltaxi fährt heute auch keines, schon gar nicht um diese Uhrzeit und zu unserem Ziel, das wohl nur europäische Wanderer interessiert. Aber ein 10x so teures Privattaxi steht selbstverständlich bereit…

Also gut, dann halt die teurere Variante. Die Straße schlängelt sich abenteuerlich in Serpentinen den Berg hinauf. Sie erinnert uns an die Höhenstraße in ihrer schlechtesten Zeit. Immerhin wurde sie vor 50 Jahren fertiggestellt, nach einer 2o jährigen Bauphase. 20 Millionen Steine wurde dafür in Handarbeit zurecht geklopft und verlegt, sagt unser Chauffeur. Dann tauchen wir in dichten Nebel ein. Es geht noch ein schönes Stück bergauf, dann spuckt uns das Taxi aus, mitten in einer tropfenden Passatwolke.

Jawohl, es regnet und zwar kräftig, Wetterbericht hin oder her, es ist wirklich kühl und feucht. Der Weg ist wenigstens gut gekennzeichnet, durch Markierungen und Eselsäpfel in jeder Kurve. Warum die Esel gerade in den Kurven kacken ist uns nicht erklärlich, vielleicht hat das ja mit etwas mehr Grip zu tun. Unserem Hund, dem Seppi, hätte es hier gut gefallen. Feucht, kühl und in jeder Kurve was zum Schnüffeln und eventuell in einem unbeobachteten Moment was zum Naschen.

Der Nebel ist so dicht, dass wir von der Landschaft nicht viel mitbekommen, Weitblick illusorisch. Dafür sind wir bis auf die Haut durchnässt. Bald geht es eine fast senkrechte Felswand auf einem gepflasterten Serpentinenweg steil bergab und weil alles nass ist, ist es auch schön rutschig. Wir erreichen das landwirtschaftlich genutzte Gelände, üppiges Grün wohin das Auge blickt. Hier wird extensive Landwirtschaft betrieben, Zuckerrohr, Bananenstauden, Avocados, Mangos, Papaya, Gemüse wächst harmonisch durcheinander und dazwischen wuseln die Hendeln. Das wäre ja paradiesisch aber unsere rauhen Seebeine sind dem Alpinismus entwöhnt, der rutschige steile Abstieg zehrt kräftig an der Kondition. Mit letzter Kraft schleppen wir uns in das „Gasthaus O Corral“, das im vorigen Jahrhundert von einem Österreicher gegründet wurde. Er war der Pionier des Wandertourismus auf Sao Antao. Heute führen seine Witwe und seine Kinder den Biobetrieb weiter. Wir konnten und von der Qualität der Produkte selbst überzeugen.

Mit dem Sammeltaxi geht es retour zur Fähre.

Wir haben leider nicht sehr viel sehen können, aber San Antao ist sicherlich eine bezaubernde Insel. Wir kommen wieder!

Was jetzt noch folgt sind 3 Tage Muskelkater!