Es ist Anfang Juli 2026. Unsere GYPSEA wiegt sich sanft im gut geschützten Hafen von Tazacorte/La Palma. Die neuen Jalousien (von Ikea) sind montiert, alle Reparatürchen erledigt und unser Wanderprogramm absolviert, die Schapps mit Vorräten zum Bersten voll, die Wassertanks gefüllt. Der Wetterbericht verspricht für die nächsten Tage stabile Verhältnisse mit einem NO-Passat mit rund 15 kn und wenig Welle. Es ist Zeit für den Aufbruch, besser wird’s nimma!

Noch rasch die Windfahnensteuerung montiert und dann sind wir bereit zum Auslaufen (analog zu unserem Autopiloten, der bei den Italienern standardmäßig Giovanni genannt wird, haben wir auch einen Namen für unsere Winfahnensteuerung Windpilot Pacific II plus gesucht. Dank Mithilfe unserer Segelfreunde haben wir ihn auch gefunden: Gerda, was auf einer alten nordischen Sprache so viel wie die Beschützerin heißt. Genau das soll sie auch tun, uns steuern und beschützen).

Am 6.7.2026 ist es dann endlich so weit. Um 8:40 tuckern wir aus dem Hafen von Tazacorte. Unser Ziel: Valle Gran Rey auf Gomera. Das Meer ist spiegelglatt, erst am Südkap treten wir aus dem Windschatten der Insel, dann trägt uns der Passat rasant durch die Wellen. Der Wind nimmt stetig zu und wir reffen die Segel. Nur Gerda will nicht so richtig steuern, immer wieder lässt sie GYPSEA die Nase in den Wind drehen. Später wird Nicky berichten, dass ich mich mit nicht jugendfreien Flüchen auf die Fehlersuche begeben habe. Zurecht, denn es liegt eindeutig ein Montagefehler vor, menschliches Versagen, also ich habe beim Montieren Mist gebaut und falsch justiert. Gut, dass wir in Valley Gran Rey noch einen Stopp einlegen, dort können wir das dann korrigieren. Statt Gerda muss halt Giovanni ran, auch gut.
Am frühen Abend fällt der Anker und in der Hafenkneipe gibt es Kalamari mit Bier. Die große Überfahrt hat also schon einmal gut begonnen.

Die Neujustierung von Gerda braucht mehr Zeit als erwartet. Also bleiben wir noch eine Nacht in dieser herrlichen Bucht und lassen uns wieder in der Hafenkneipe verwöhnen.

8.7.2026, Punkt 9:00 lichten wir den Anker und nehmen Kurs auf Cabo Verde. Unser erstes Ziel ist Mindelo auf Sao Vincente. Ich nehme es gleich vorweg, es gibt nichts Spektakuläres zu berichten. Ein paar Delfine kreuzen unseren Weg, nächtens verirrt sich so mancher fliegender Fisch auf unser Deck und wie auf jeder unserer Überfahrten haben wir Neumond, d.h. in der Nacht ist es zappenduster, dafür ist der Sternenhimmel wunderbar. Der Wind kommt immer genau von hinten, (die Neujustierung hat Gerda offensichtlich sehr gut getan), das Passatsegel zieht uns mit bis zu 8kn Richtung Süden. Auch die Wellen sind gnädig, das Geschaukel hält sich in Grenzen und wir können sogar Kleinigkeiten kochen. Höhepunkt der Überfahrt ist die kleine Goldmakrele an der Angel, die als Sushi den Gaumen passiert.
Wir sind so weit von der zivilisierten Welt entfernt, dass wir nicht einmal ein AIS-Signal empfangen, um uns herum mehrere 100km nur blau und keine Menschenseele. Interessantes Gefühl, cool aber auch ein bissl spooky.

Nach genau 6 Tagen und 2 Stunden fällt um 9:00 Ortszeit der Anker im Hafenbecken von Mindelo. Hinter uns liegen 796 sm (das entspricht der Strecke Wien-Stockholm), die wir auf fast direktem Weg gesegelt sind. Unser größtes Etmal lag bei 140 sm.

Für die, die es interessiert:
Cabo Verde besteht aus 9 bewohnten und einigen kleinen nicht bewohnten vulkanischen Inseln mit einer Gesamtfläche von 4033 km² und knapp 600.000 Einwohnern. Das entspricht in etwa der Fläche vom Burgenland und der doppelten Einwohnerzahl.

Die größten Städte sind:
Praia (auf Santiago, Hauptstadt von C.V.): 128.000 EW
Mindelo (auf Sao Vicente): 70.500 EW
Espargos (auf Sal): 17.000 EW

BIP/Einw. C.V.: 4.630 €
BIP/Einw. Bgld: 39.000 €
BIP/ Einw. In Ö: 53.800 €

Klima:
Es herrscht ein mildes ozeanisches Klima, das vom NO-Passar bestimmt wird.Es gibt nur gering ausgeprägte Jahresschwankungen der Temperaturen. Das Klima ist auch durch geringe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht (meist um 5°C) und durch ganzjährig relativ hohe Luftfeuchtigkeit (um 70%) gekennzeichnet. So liegen die Tagestemperaturen das ganze Jahr zwischen 23 und 30°C, wobei die Nachtwerte im Winter (Januar bis April) um 18 und im Sommer (August bis Oktober) um 24°C liegen. Der Boden ist überall sehr trocken, die durchschnittliche Niederschlagsmenge in der Hauptstadt liegt bei etwa 250mm jährlich, sonst meist nur zwischen 100 und 200mm. Der meiste Niederschlag fällt von August bis November. Die Wassertemperaturen mit 22 bis 27°C machen das Land für den Strandtourismus attraktiv.

(alle Infos sind aus Wikipedia)