28.3.2026: Es ist bereits stockdunkel, als wir den Hafen von Santa Cruz de La Palma erreichen. Nur hineinfahren dürfen wir nicht, die Lotsen bitten uns zuerst ein Frachtschiff anlegen zu lassen. Wir warten im Geschaukle der durchaus mächtigen Wellen vor der Hafeneinfahrt, endlich bekommen wir das OK von der Hafenaufsicht. Herrlich, wie ruhig das Wasser im windgeschützen Hafen doch ist. Wir gleiten durch das Schleusentor, das den Hafen von der Marina trennt. Aber der Schein trügt, in der Marina herrscht kräftiger Schwell. Für diesen ist die Marina auch bekannt, lesen wir später. Das sichere Verzurren von GYPSEA wird zur Herausforderung, das erst nach einem Schreiduell mit dem komplett überforderten und inkompetenten „Marinero“ erfolgreich abgeschlossen werden kann. Manchmal musst Du halt ein bisserl strenger sein, das haben wir bereits gelernt.
La Palma ist eine wunderschöne und sehr grüne Insel. Sie besteht aus einem mächtigen Gebirge vulkanischen Ursprungs, das über 2400m aus dem Wasser ragt und La Palma zu einer der steilsten Inseln weltweit macht. Der Süden ist eher trocken, hier wird Wein angebaut. Auf den westexponierten Hängen erstrecken sich ausgedehnte Kiefernwälder. Die Kanarische Kiefer (Pinus canariensis) gilt als eine der widerstandsfähigsten Kiefernarten der Welt: Dank ihrer dicken Rinde übersteht sie selbst Waldbrände und treibt anschließend aus Stamm und Ästen wieder aus. Gleichzeitig gewinnt sie mit ihren langen Nadeln Feuchtigkeit direkt aus den Passatwolken und trägt so entscheidend zum Wasserhaushalt der Insel bei.
Die ostexponierten Hänge sind aufgrund des Passats viel feuchter und werden von Lorbeerurwäldern bewachsen. Hier wachsen Kanaren-Lorbeer, Til (Stinklorbeer), Acebiño (Kanaren-Stechpalme), Kanarischer Erdbeerbaum und die mächtige Baumheide. Die Passatwolken sorgen hier für ein außergewöhnliches Naturphänomen: Blätter und Nadeln fangen feinste Wassertröpfchen aus den Wolken auf, die anschließend als sogenannte horizontale Beregnung zu Boden tropfen. Dieser natürliche Wasserspeicher versorgt den Wald selbst während niederschlagsarmer Zeiten und ist einer der Gründe, weshalb La Palma als „La Isla Verde“ bekannt ist.
Neben den vielen endemischen Pflanzenarten gibt es auch eine Reihe endemische Tiere. Hier ist uns
besonders die Westkanareneidechse (Galliota galloti palmae) ans Herz gewachsen. Die Männchen sind leicht an ihren auffällige blauen Kehlsäcken zu erkennen. Außerdem lassen sie sich gerne mit Bananenstückchen und Wasser verwöhnen, wirklich allerliebst.

Das Herz der Insel bildet Nationalpark Caldera de Taburiente, der den mächtigen Vulkankegel und Krater umfasst, wahrlich eine atemberaubende Landschaft. Hier gibt es eine Reihe von teilweise durchaus sehr anspruchsvollen Wanderwegen, einige der leichteren haben wir auch bewandert, davon aber später. Der Gipfel, der Roque de los Muchachos auf 2426m, ist allerdings auch bequem auf der Asphaltstraße erreichbar, was uns zugegebenermaßen sehr entgegenkam. Der Ausblick vom Gipfel über die Insel, das Meer und die Nachbarinseln Teneriffa mit dem Teide, La Gomera und Hierro ist unbeschreiblich.
Hier oben ist die Luft sehr klar, es gibt kaum Lichtverschmutzung, der ideale Standort für astronomische Forschung. Hier stehen einige der größten und wichtigsten Teleskope der Welt und das mitten in einer urtümlich anmutenden vulkanisch geprägten Landschaft, es ist einfach total SciFi!
La Palma verzichtet ganz bewusst auf raschen Massentourismus. Wer hier nach großen Hotelanlagen, exklusive Strandclubs, Golfplätzen und Halligalli sucht wird nicht fündig. Für Wanderer, Bergsteiger und Naturliebhaber ist La Palma hingegen ein Paradies.
Die Hauptstadt Santa Cruz de La Palma bezaubert durch ihre gut erhaltene, gepflegte und absolut sehenswerte Altstadt, mit Abstand die schönste auf den Kanaren.
Der Zufall will, dass Ostern ist und wir wieder in den Genuss von mehreren Osterprozessionen kommen. Letztes Jahr in Taranto gab es 2 große Prozessionen, hier gibt es fast täglich eine, zwar kleiner und kürzer, aber immer mit mindestens einer Kapelle und selbstverständlich mit den beliebten Ku Klux Klan Mützen, die jeden Tag etwas anders ausschauen.
Büsser mit Ketten an den Füßen und natürlich barfuß, führen die Prozession an. Wenn Du genau hinschaust wirst Du feststellen, dass die Büßerfüße meist zierlich sind, oft mit lackierten Zehennägel, und die Augen, die aus den KKK-Mützensehschlitzen herauslugen, meist geschminkt sind. Es liegt der Verdacht Nahe, dass es in La Palma ausschließlich Büßerinnen gibt. Dafür müssen die Männer dann die diversen Heiligenstatuen durch die Stadt schleppen.
Wir mieten ein Auto, erkunden die Insel und bewandern sie auch ein bissl;
– In die Lorbeerwälder bei Los Tilos (inkl Besuch der Jausenstation, hmmm das war gut)
– Miradpor de la Cumbrecita
– über die alte Hauptverbindungsstraße (Eselsweg) von La Rosa (im Zentrum der Insel) Richtung Santa Cruz
– im Süden von Funcaliente zum Leuchtturm an der Südspitze (Faro di Funcaliente)
– von Tazacorte zum Mirador El Time
– Ins Baranco de Agostinos, dem Flüsschen folgend folgend am Weg zu den Cascades de Colores bis zu Dos Aquas (dann war der Weg aus).
– in die Schmugglerbucht/Höhle Cueva de Poris de la Candelaria
La Palma hat uns von allen bisher besuchten Kanarischen Inseln mit Abstand am Besten gefallen. Sehr authentisch, wenig Tourismus und wenn dann sehr sanft.
