Die Flagge von Cabo Verde zieren 10 goldene Sterne als Symbole für die 10 großen Inseln. Die vier großen Inseln im Norden sind nach Heiligen benannt, Sao Vicente, Sao Antao, Santa Luzia, Sao Nicolao. Das ist doch interessant, damit wollen wir uns etwas genauer beschäftigen:

Der Hl Vinzenz:

Da gibt es den Hl Vinzenz aus Padua, der als Gründer der modernen Caritas gilt. Dieser Gutmensch soll uns allerdings nicht kümmern. Der Hl Vinzenz von Valenzia hingegen schon, das ist schon dem schaurig-schönen sakralen Gruseln geschuldet: Er wurde im Rahmen der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian ganz furchtbar gefoltert und getötet. Damit ist er prädestiniert als Schutzpatron von Portugal, der Holzfäller, Seeleute, Dachdecker, Töpfer, des Federviehs und der Kaffeehäuser, außerdem als Beistand bei Körperschwäche und als Helfer zur Wiedererlangung gestohlener Sachen.

Gedenktag: 22.Jänner

Wichtige Bauernregel: „Beim heiligen Vincentius gibt’s neuen Frost oder Winterschluss.“

Bedeutung für uns: als alternde, bisweilen körperschwache Seeleute mit einer Schwäche für guten Kaffee ist der Hl Vinzenz durchaus wichtig.

  

Der Hl Antonius von Padua:

Hl Antonius ist nicht nur Schutzpatron zahlreicher Städte und Ortschaften, sondern auch der Bäcker, Schweinehirten, Bergleute, Reisenden und Sozialarbeiter. Er wird bei Unfruchtbarkeit, Fieber, Pest, Schiffbruch, Kriegsnöten, Viehkrankheiten und auch für das Wiederauffinden verlorener Gegenstände („Schlampertoni“ ) angerufen.

Gedenktag: 13. Juni

Wichtige Bauernregel: „Regnet’s am Antoniustag, wird’s Wetter später, wie es mag.“

Bedeutung für uns: Hoch! Der Hl Antonius wird fast täglich händeringend angerufen, weil schon wieder so ein Ding verschwunden ist, sehr oft der 13er Gabelschlüssel. Bez. Schiffbruch musste er bis jetzt zumindest nicht für uns tätig werden.

Die Hl Luzia

ging als überzeugte Jungfrau in den Märtyrertod. Sie ist Patronin der Blinden, Augenleidenden, Elektriker, Glaser, Notare, Schneider und Weber, für mehr reicht es bei Ihr nicht, Jungfräulichkeit hin oder her.

Gedenktag: 13. Dezember

Wichtige Bauernregel: „Kommt die heilige Luzia, dann ist die Kälte auch schon da.“

Bedeutung für uns: Gering. Durch die Einführung der Lesebrille wurde die Bedeutung der Hl Luzia ziemlich beschnitten.

Der Hl Nikolaus von Myra:

Er ist einer der 14 Nothelfer, sowie Schutzpatron zahlreicher Berufsgruppen. Nikolaus ist u.a. Schutzpatron der Apotheker, Bäcker, Bauern, Bierbrauer, Fuhrleute, Gefängniswärter, Getreidehändler, Handelsreisenden, Juristen, Kaufleute, Kinder, Fleischer, Ministranten, Pfandleiher, Schnapsbrenner, Schneider, Seefahrer, Prostituierten und Studenten.

Gedenktag: 6. Dezember

Wichtige Bauernregel: „Wird es kalt, kommt der Winter bald. Schneit es zu Sankt Nikolo, ist der Winter auch schon do.“

Bedeutung für uns: Sehr hoch! Der Hl Nikolaus ist für uns als Seefahrer der wohl wichtigste Schutzpatron und hat deshalb auch einen fixen Platz in unserem Herrgottswinkerl.

 

Von Sao Vincente und Mindelo haben wir schon berichtet, da sind wir ja schon eine ganze Weile. Der Hl Vinzenz ist also schon abgehakt.

Wir wollen endlich weiter und die anderen Inseln im Norden von Cabo Verde erkunden. Unser erstes Ziel ist Sao Antao. Im Südwesten liegt Tarrafal (es gibt praktisch auf jeder kapverdischen Insel einen Ort namens Tarrafal, was mitunter zu Verwirrung sorgt), ein kleines Nest am Ende eines grünen Tales mit einem großen schwarzen Sandstrand. Hier legen Schildkröten ihre Eier ab und hier wollen wir ankern. Die Segelei aus dem Hafen von Mindelo hinaus in den Kanal zwischen Sao Vicente und Sao Antao ist angenehm. Wir müssen lediglich aufpassen, dass wir auch genügend Wind in die Segel bekommen, was uns zu so manchen Manövern motiviert. Der Anker fällt vor traumhafter Kulisse auf Sand in 12m Wassertiefe, besser geht es fast nicht. Die Nacht wird sehr ruhig, die Milchstraße leuchtet auf uns herab. Um GYPSEA plätschert es immer wieder. Neugierig wie wir sind schauen wir mit dem Scheinwerfer nach. Durch den Lichtkegel aufgeschreckt springen tausende fliegende Fische aus dem Wasser! So ein Spektakel! So etwas haben wir vorher noch nie gesehen.

Die letzte Welle an den Strand bricht hoch, das wollen wir mit dem Dinghi samt Motor nicht riskieren. Mit dem SUP hingegen geht das Anlanden super. Unser Ziel an Land ist einerseits ein netter Spaziergang durch das grüne, landwirtschaftlich genutzte Tal voller terrassenartig angelegten Feldern mit zahlreichen Schweinekobeln, freilaufenden Hühnern, Ziegen und allerlei Gepflanz.Andererseits wollen wir bei Susi & Frank vorbeischauen. Ihr Ressort „Mar Tranquilidade“ ist ein paradiesischer Ort. Auch das Buffet, mittags wie abends, sucht seinesgleichen und das zu sehr moderaten Preisen. Mit prall gefüllten Bäuchen bringen wir bei der Heimfahrt unser SUP beinahe zum Sinken.

Santa Luzia, eine unbewohnte naturbelassene Insel unter Naturschutz darf nicht betreten werden, fürs Ankern davor braucht man eine Genehmigung. Die erhalten wir per Mail und auf geht’s. Am halben Weg dorthin liegt San Pedro und lädt zum Übernachten ein. Dort muss ich schon zu Ehren meines Bruders Peter hin. Der Airport liegt gleich hinter dem Strand, wir bestaunen die landenden bzw. startenden Flieger, die zum Greifen nahe sind. Manche fahren mit dem Kreuzfahrtschiff für so ein Erlebnis nach San Maartin in die Karibik, wir bekommen das direkt ans Boot geliefert.
Ach übrigens, kurz bevor der Anker fällt zappelt ein Fischlein an der Angel. Abendessen gesichert!

Santa Luzia ist eine quasi unberührte Perle. Wir halten uns an das Betretungsverbot und genießen die wüstenartige Landschaft aus der Ferne. Das Landen am Strand wäre auch bei den hohen Brechern kein Vergnügen geworden. Es ist so malerisch hier, dass wir beschließen, das auf portugiesisch ausgestellte Permit nicht zu verstehen und statt der einen genehmigten Nacht eine zweite zu bleiben. Unsere Dreistigkeit wird durch den Besuch eines Fischerbootes belohnt, bei dem wir zwei herrliche Fischerl kaufen.

Nun wollen wir noch dem Hl Nikolaus einen Besuch abstatten. In der Ankerbucht lernen wir Francily kennen, der sich gegen Bezahlung ein bissl um uns kümmert und die Insel zeigt. Ausserdem lerne ich viel von ihm über das Fischen und Fischzerlegen.

Sao Nicolao ist eine beschauliche Insel mit kargen Bergen, grünen Tälern und nordseitig einem Nebelwald mit riesigen Drachenblutbäumen, den wir natürlich bewandern.

Dona Anna hat 40 Jahre in Italien gekocht, jetzt betreibt sie hier ein Guesthouse mit angeschlossenen Restaurant. Es ist himmlisch, das Essen und der Blick über die wilde Nordküste.

Der alte Weg nach Ribeira Brava ist steil, deshalb wird er gemächlich bezwungen. Wir gehen ihn bergab, ganz nach der kapverdianischen Devise „No Stress“.

Carbeirinho ist hier kein Getränk sondern eine Bucht mit faszinierend geschichteten Felsen. Hier hat die Erosion wirklich gute Arbeit geleistet.